Montag, 9. November 2015

Santiago de Compostela

Heute ist der Weg nicht mehr weit bis nach SANTIAGO DE COMPOSTELA. Okay, ja, nein, zugegeben, wir pilgern nicht auf Schusters Rappen hin, sondern fahren ... 

Jeder, mit dem wir bisher sprachen, weist uns allerdings darauf hin, man dürfe mit dem Camper nicht in die Stadt hinein, sondern müsse "weit" außerhalb parken. 

Mit einer durch dieses Wissen geprägten Vorstellung von einem historischen Santiago de Compostela fahren wir also los ...

... und sind sehr überrascht, eine überaus moderne Stadt vorzufinden mit riesigen Einfallstrassen - vorbei an Decathon, Lidl, McDonalds & Co. 

Besagter Parkplatz für Busse und Camper ist gut ausgeschildert und rasch finden wir uns auf einer weitläufigen, derzeit aber spärlich besuchten Betonfläche inmitten von Wohnblocks wieder. Unseren Vorstellungen kommt dieses Bild nicht im entferntesten nah.

Egal. Jetzt sind wir da. Und jetzt wollen wir die Kathedrale natürlich auch besuchen. Die freundliche Dame im Kassenhäuschen des Parkplatzes versorgt uns mit einem Stadtplan, und nach kurzer Orientierung stellt sich heraus, bis zum historischen Stadtkern sind es gerade mal zwei Kilometer Fußweg. Wer sagt's denn.

Das mit dem "weit außerhalb" stimmt also nicht ganz, dass man nicht in die Altstadt hineinfahren darf natürlich aus verständlichen Gründen schon. 

Recht schnell haben wir das Ziel erreicht und stehen umgeben von eindrucksvollen Bauwerken aus dem 13. bis 17. Jahrhundert auf der imposanten "Praza so Obradoiro", der Piazza über dem sich majestätisch die Karhedrale von Santiago de Compostela erhebt. Leider präsentiert sie sich uns heute teilweise verhüllt, umfangreich Restaurationsarbeiten werden wohl derzeit durchgeführt.



Auch wenn man auf der ganzen Welt schon viele Kirchen und Gotteshäuser gesehen hat, so beeindruckt mich das Innere dieser Kathedrale doch nachhaltig. Wie erhebend muss es sich dann erst anfühlen, wenn man wochenlang hierher gepilgert ist?! 

Am Ende der Reise umarmt der Pilger die Apostelfigur des Heiligen Jakobs im goldenen Hochaltar - ich hingegen wage ehrfurchtsvoll, die Figur nur flüchtig zu berühren. Unter dem Hauptaltar geht es hinab zur Krypta mit Grabkammer des Apostels, wo seine Gebeine in einer silbernen Kassette ruhen (Fotografieren hier unerwünscht).







Natürlich entzünden wir zwei Kerzen an diesem heiligen Ort - eine als Dank für alles Gutes, was uns im Leben widerfahren ist, und eine im Gedenken an alle lieben Menschen, die heute leider nicht mehr bei uns sind. Etwas "unschick" finde ich dabei allerdings die Tatsache, dass es heute - wie so oft - keine Wachskerzen mehr gibt, sondern nach Einwurf des Obolus zwei LED Lichltlein erleuchten. Nunja, der Zahn der Zeit.

Auf einem der Plätze rum um die Kathedrale lassen wir uns in einem Café nieder und betrachten das Treiben ringsum. Auch wenn wir den subjektiven Eindruck haben, als seien nicht viele Pilger hier, so kommen die wenigen aber aus aller Herren Länder, vielen von ihnen sind die Strapazen der vergangenen Wochen deutlich anzusehen. 

Unsere Gedanken schweifen zu Freund Dieter und Tochter Sylvia, die den Camino beide bereits gelaufen sind, und allen voran zu Enkeltochter Lisa, die damals mit nur 11 Jahren die letzten 100 Kilometer mitgegangen ist. 

Hut ab!
























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