Mittwoch, 21. Oktober 2015

Liebe auf den ersten Blick

Es ist ja nicht so, dass ich Willi nicht schon öfter den Kauf eines e-Bikes nahegelegt habe, ganz allein schon deshalb, weil ich aus eigener Erfahrung sagen kann, wieviel Spaß so ein Ding macht. Und ich weiß ebenfalls aus Erfahrung, dass man Willi nicht bremsen sollte, wenn er sich denn mal zu was durchringt. Das - und nur das - lässt mich zustimmen, unseren Traumplatz aufzugeben und ins 40 Kilometer entfernte Bordeaux zurück zu fahren. Und - okay - auch Willis Versprechen, dass wir zurück kommen nach LE PORGE ...

Gut. Wir fahren nach Bordeaux. Hier wird es ja wohl Fahrradläden geben. Dank Internet ist es tatsächlich ein Kinderspiel, sich vom Handy führen zu lassen. Und so stehen wir recht schnell auf dem Hof des Fahrradhändlers "Culture Vélo". 

Noch viel schneller leuchten Willis Augen! 

Der Verkäufer spricht zum Glück ein paar Brocken Englisch, das gepaart mit unserem "français misérable" sind wir uns schnell handelseinig. Er nimmt sogar Willis alten Drahtesel in Zahlung ... et voilà: ab heute fährt man(n) e-Bike! 

Geht doch.

Und es ist zwar schon dunkel, aber abends stehen wir wieder - wie versprochen - in den Dünen von LE PORGE OCEAN.

Fotos vom Profi-Radler folgen sobald es wieder hell ist. 

Montag, 19. Oktober 2015

Mortagne-sur-Garonde

Dieses kleine Örtchen muss man suchen und finden, von alleine verirrt man sich eher nicht hierher. Als wir es ansteuern, wird auf die letzten Kilometer die Gegend immer ländlicher und die Straßen werden immer schmaler. Schließlich geht es über eine Serpentine hinab in den kleinen Ort, wir sind da ... und überrascht !

MORTAGNE-SUR-GARONDE liegt - wie der Name schon sagt - an der Garonde, das ist der tiefe, fjordähnliche Einschnitt vor Bordeaux, in welchem die Flüsse Dordogne und Garonne zusammenfließen. In MORTAGNE ist die Garonde 5,5 Seemeilen breit und der Ort liegt ganze 18 Seemeilen im Landesinneren - und doch stehen wir vor einem Hafenbecken voller Segelschiffe! Es ist sogar ein Hochwasserhafen, denn die Gezeiten des Atlantik haben bis hierhin ihre Auswirkung. Das Wasser der Garonde ist allerdings Süßwasser ... und was das heißt merken wir sofort: "Mückenland" sobald es anfängt zu dämmern!

Aber sonst ist's ganz schön hier. Wir treffen übrigens mal wieder ein paar deutsche Camperkollegen - bisher waren wir mit einer einzigen Ausnahme "allein unter Franzosen".







Samstag, 17. Oktober 2015

La Rochelle

Wir durchqueren die PAYS DE LA LOIRE. Zweimal übernachten wir in kleineren Ortschaften ehe wir in die Region POITOU CHARENTES kommen. Wir steuern einen Stellplatz in der Stadt LA ROCHELLE an.

Dieser liegt am Port des Minimes - mit 3.500 Liegeplätzen ist es der größte Yachthafen an der europäischen Arlantikküste. Und tatsächlich sieht man hier vor lauter Masten kein Wasser mehr. Aber auch als Camper ist man hier in guter Gesellschaft zwischen ca. 150 anderen. Tja, so isses halt ...

Das Wetter ist schön, die Sonne lacht. Wir schwingen uns auf die Räder und radeln Richtung Zentrum. Sehr nett ist die Altstadt und der Vieux Port (Alter Hafen), dessen Einfahrt von zwei trutzigen Türmen flankiert wird. Im Mittelalter spannte man nachts eine Kette zwischen diese Türme, um die Hafeneinfahrt zu versperren.

LA ROCHELLE ist Universitäts- und Hafenstadt, unübersehbar die vielen Werften, Segelschiffe zu Wasser und an Land wohin man guckt. Auch unsere Capella ist seinerzeit hier in LA ROCHELLE gebaut worden und vom Stapel gelaufen. Sie ist uns hier also irgendwie noch einmal ganz "nah". 







Donnerstag, 15. Oktober 2015

Entzaubert ...

Wir hatten es bereits erwähnt: seit unserem Aufbruch haben wir bisher so viele Wohnmobile gesehen wie selten zuvor. Fast alle Stellplätze, die wir in der Normandie noch von 2003 in Erinnerung haben, gibt es heute nicht mehr. Die meisten der früheren Freistehplätze sind heute in Bezahlplätze umgewandelt, oder aber durch höhenbegrenzende Schranken versperrt. Oft ist sogar die bereits Zufahrt auf 3,5 Tonnen Gesamtgewicht beschränkt . Angesichts der Massen von Campern ist es zwar nachvollziehbar, dass die sich  jeweiligen Gemeinden diesem Ansturm erwehren oder zumindest davon profitieren möchten. Da wir es von früher aber noch so anders kennen - und es damals etwas besonderes war, einem "Kollegen" zu begegnen - finden wir dieserart Einschränkungen trotzdem schade.

Weil es inzwischen kälter wird und die Temperaturen fallen, wählen wir in der Bretagne nicht die Route entlang der Küstenlinie, sondern kürzen die nordwestliche Landzunge ab und fahren von MONT ST-MICHEL geradewegs auf die Halbinsel QUIBERON an der Côte des Megalithes. 

Landschaftlich ist es hier sehr schön, aber QUIBERON hat die Camperausgrenzung zur Vollendung gebracht: nirgendwo haben wir bisher so viele höhenbegrenzende Durchfahrtsschranken gesehen wie hier. Jeder noch so kleine Parkplatz bleibt uns verwehrt. Entweder man will unsere Gilde hier also gar nicht, oder aber es gab seinerzeit die Höhenbegrezungsschilder auf "2,10 m" im Duzend billiger ...

Wir haben also die Wahl zwischen "offiziellem Stellplatz" und "offiziellen Stellplatz". Und so kommt es, dass wir nach nur einer Übernachtung die Bretagne bereits wieder verlassen und uns weiter nach Süden orientieren.



Mittwoch, 14. Oktober 2015

HINWEIS

Liebe Leser,

unsere einzelnen Blogs werden wir von Zeit zu Zeit in einem zusammenhängenden Reisebericht zusammenfügen - siehe "Auf Wintertour 2015".

Wir bitten um Verständnis, dass wir dies nur etwa alle 10 - 14 Tage tun werden, da wir dafür extra den großen Rechner "auspacken" müssen.

Weiterhin viel Spaß beim Lesen und Gruß aus der Bretagne!

Le Mont St.-Michel

Nach dem Eiffelturm ist der MONT ST-MICHEL das zweitmeist besuchte Wahrzeichen Frankreichs. Weithin aus allen Himmelsrichtungen sichtbar ragt der Klosterberg des heiligen Michael eindrucksvoll wie eine Pyramide aus den Marschen des Atlantik. Der Legende zufolge soll der Erzengel Michael höchstselbst den Bau des Klosters auf dem Felsen im Meer in Auftrag gegeben haben.

Bereits 2003 haben wir von einem Besuch des MONT ST-MICHEL Abstand genommen, weil ebenso von weitem der Trubel dort zu erkennen war. Nach unseren jetzigen Erfahrungen in HONFLEUR, stellen wir uns auf dem Klosterberg einen ähnlichen "Zirkus" vor und verzichten folglich auch dieses Mal auf eine nähere Besichtigung und begnügen uns mit einem nicht minder schönen Anblick aus der Ferne. 


Wir übernachten auf einem kleinen abgelegenen Platz in Strandnähe und lernen unsere WoMo Nachbarn Karin und Uli kennen. Wir sind uns gleich sympathisch und ratschen viel. Schade, sie reisen leider in die entgegengesetzte Richtung weiter.

Wir verlassen heute die Normandie und kommen in die Bretagne. Zuhause in Deutschland ist der erste Schnee gefallen, also wird es Zeit, weiter in den Süden zu ziehen ...


Montag, 12. Oktober 2015

Les Plages du Débarquement

Ab Ouistreham westwärts wird die Gegend sehr geschichtsträchtig: wir sind an den Stränden, an denen im Juni 1944 die alliierten Streitkräfte anlandeten. Museen, Denkmäler und Mahnmale sind auf diesen Landstrich allgegenwärtig. 

Heute vertiefen wir uns nicht in das Thema, weil wir uns sehr viel davon bei unserem damaligen Besuch hier abgesehen haben. Einzig auf dem Ehrenfriedhof der Amerikaner an der Omaha Beach halten wir inne ...

Diese Gedenkstätte - eine von vielen in dieser Gegend - steht unter US-amerikanischer Verwaltung, Frankreich hat zugestimmt, das Land für immer als dauerhaften Bestattungsort kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Das Areal ist 70 Hektar groß, auf ihm stehen 9.387 Grabkreuze aus weißem Marmor, jeder von ihnen trägt einen Namen. Weitere 1.557 auf Tafeln gravierte Namen ehren die Vermissten dieses schrecklichen Krieges. 

Es ist ein stiller Ort, der eine pittoreske Schönheit ausstrahlt, die im krassen Gegensatz zu der Tatsache steht, die einen geradezu die Vorstellungskraft sprengt: Tausende von Menschen haben hier im Namen unser aller Freiheit ihr Blut vergossen und ihr Leben verloren.

Sonntag, 11. Oktober 2015

Ouistreham

Unsere nächste Anlaufstelle ist leider wenig besser, wir sind in Ouitreham an der Mündung der Orne. Zugegeben, es ist Sonntag und das Wetter ist schön, aber auch hier steppt der Touri-Unterhaltungs-Bär: Kiten, Reiten und Cartfahren am Strand, zu Max' Missfallen flattern überall Fahnen und Drachen, und Hunderte von Menschen schlendern über den stattfindenden Flohmarkt.

Überdies Wohnmobile wohin man auch blickt. Und dass, obwohl es uns Campern nicht leicht gemacht wird: durch auffällig viele Höhen- und Gewichtsbeschränkungen wird der Strom der Mobilheime recht geschickt kanalisiert und zu unzähligen Bezahlplätzen geleitet - was nätürlich nicht so wirklich das ist, was wir wollen. Uns beschleicht langsam der Verdacht, dass es die raue und einsame Normandie, die wir von vor 13/14 Jahren noch in Erinnerung haben, nicht mehr gibt ...


Samstag, 10. Oktober 2015

Honfleur

Unser nächster Halt ist das Städtchen Honfleur. Von ihr steht geschrieben, sie sei eine der schönsten Ortschaften der Normandie, Angucken lohne sich.

Dass da was dran sein muss, beweist bereits der Wohnmobilstellplatz: 240 Fahrzeuge haben hier Platz ... und er ist voll! Eigentlich ist das ja gar nicht unser Ding, aber der Nachmittag neigt sich dem Ende entgegen und zum Weiterfahren fehlt uns auch die rechte Lust. Also bleiben wir. Wir ergattern einen der letzten freien Plätze und laufen los, uns Honfleur anzusehen.

"Ach du lieber Himmel! Was ist denn hier los?"

Es stimmt, das Städtchen besteht aus wunderschönen historischen Häusern, wie sie typisch sind für die Normandie. Leider beherbergen sie ALLE entweder "Fresstempel" oder Pubs, Kunstgalerien oder aber unzählige Nippesläden, die den gleichen Ramsch feilbieten, wie jede andere Touristadt dieser Welt auch. Das ist schade, und lässt sich für unseren Geschmack kaum durch die hübschen Fassaden wettmachen ... Hier ein paar der schönen Eindrücke:






Freitag, 9. Oktober 2015

Überleben gesichert ... und beklaut!

Am nächsten Morgen ist das Watt im Hochwasser verschwunden, dafür herrscht aber betriebsame Emsigkeit auf der Strandpromenade: die Fischer sind zurück und haben ihren Fang entladen, den sie sogleich vor Ort verkaufen. Mmmmmh, lecker! Kabeljau, Scholle, Krebse, Hummer, Schnecken, Miesmuscheln ... Ach, ist das herrlich hier!







Mit zwei Kilo Miesmuscheln gehen wir nach Hause. Das einzige, was uns nun noch zu unserem Glück fehlt ist ein französisches Baguette. Und da es dieses in unmittelbarer Nähe nicht gibt, laden wir erstmals unseren neu erstandenen Roller ab. 

Doch was ist das? Das Topcase ist aufgehebelt und Willis Helm ist weg! Wie dreist ist das denn?

Willis erster Impuls ist: "Wurscht, dann fahre ich ohne Helm", doch wir erinnern uns daran, dass wir hier NICHT in Sizlien sind und davon auszugehen ist, dass die Franzosen diesbezüglich nicht so großzügig sein werden. Also quetscht sich der arme Willi meinen Mädchenhelm über die Ohren und macht sich auf den Weg ins 13 Kilometer entfernte DIEPPE, in der Hoffnung, dort nicht nur ein Baguette, sondern auch einen Helm erweben zu können ...



Er kommt zurück ohne neuen Helm, aber mit Weißbrot und frischer Petersilie. 

"Essen und Trinken können wir ja zum Glück (noch) ohne Sturzhelm ", merke ich an.

Das Wetter ist toll, wir können im Freien kochen und genießen. Das war super lecker! TAG GERETTET!