Liebe Leser,
unsere einzelnen Blogs werden wir von Zeit zu Zeit in einem zusammenhängenden Reisebericht zusammenfügen - siehe "Auf Wintertour 2015".
Wir bitten um Verständnis, dass wir dies nur etwa alle 10 - 14 Tage tun werden, da wir dafür extra den großen Rechner "auspacken" müssen.
Weiterhin viel Spaß beim Lesen und Gruß aus der Bretagne!
Mittwoch, 14. Oktober 2015
Le Mont St.-Michel
Nach dem Eiffelturm ist der MONT ST-MICHEL das zweitmeist besuchte Wahrzeichen Frankreichs. Weithin aus allen Himmelsrichtungen sichtbar ragt der Klosterberg des heiligen Michael eindrucksvoll wie eine Pyramide aus den Marschen des Atlantik. Der Legende zufolge soll der Erzengel Michael höchstselbst den Bau des Klosters auf dem Felsen im Meer in Auftrag gegeben haben.
Bereits 2003 haben wir von einem Besuch des MONT ST-MICHEL Abstand genommen, weil ebenso von weitem der Trubel dort zu erkennen war. Nach unseren jetzigen Erfahrungen in HONFLEUR, stellen wir uns auf dem Klosterberg einen ähnlichen "Zirkus" vor und verzichten folglich auch dieses Mal auf eine nähere Besichtigung und begnügen uns mit einem nicht minder schönen Anblick aus der Ferne.
Wir übernachten auf einem kleinen abgelegenen Platz in Strandnähe und lernen unsere WoMo Nachbarn Karin und Uli kennen. Wir sind uns gleich sympathisch und ratschen viel. Schade, sie reisen leider in die entgegengesetzte Richtung weiter.
Wir verlassen heute die Normandie und kommen in die Bretagne. Zuhause in Deutschland ist der erste Schnee gefallen, also wird es Zeit, weiter in den Süden zu ziehen ...
Montag, 12. Oktober 2015
Les Plages du Débarquement
Ab Ouistreham westwärts wird die Gegend sehr geschichtsträchtig: wir sind an den Stränden, an denen im Juni 1944 die alliierten Streitkräfte anlandeten. Museen, Denkmäler und Mahnmale sind auf diesen Landstrich allgegenwärtig.
Heute vertiefen wir uns nicht in das Thema, weil wir uns sehr viel davon bei unserem damaligen Besuch hier abgesehen haben. Einzig auf dem Ehrenfriedhof der Amerikaner an der Omaha Beach halten wir inne ...
Diese Gedenkstätte - eine von vielen in dieser Gegend - steht unter US-amerikanischer Verwaltung, Frankreich hat zugestimmt, das Land für immer als dauerhaften Bestattungsort kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Das Areal ist 70 Hektar groß, auf ihm stehen 9.387 Grabkreuze aus weißem Marmor, jeder von ihnen trägt einen Namen. Weitere 1.557 auf Tafeln gravierte Namen ehren die Vermissten dieses schrecklichen Krieges.
Es ist ein stiller Ort, der eine pittoreske Schönheit ausstrahlt, die im krassen Gegensatz zu der Tatsache steht, die einen geradezu die Vorstellungskraft sprengt: Tausende von Menschen haben hier im Namen unser aller Freiheit ihr Blut vergossen und ihr Leben verloren.
Sonntag, 11. Oktober 2015
Ouistreham
Unsere nächste Anlaufstelle ist leider wenig besser, wir sind in Ouitreham an der Mündung der Orne. Zugegeben, es ist Sonntag und das Wetter ist schön, aber auch hier steppt der Touri-Unterhaltungs-Bär: Kiten, Reiten und Cartfahren am Strand, zu Max' Missfallen flattern überall Fahnen und Drachen, und Hunderte von Menschen schlendern über den stattfindenden Flohmarkt.
Überdies Wohnmobile wohin man auch blickt. Und dass, obwohl es uns Campern nicht leicht gemacht wird: durch auffällig viele Höhen- und Gewichtsbeschränkungen wird der Strom der Mobilheime recht geschickt kanalisiert und zu unzähligen Bezahlplätzen geleitet - was nätürlich nicht so wirklich das ist, was wir wollen. Uns beschleicht langsam der Verdacht, dass es die raue und einsame Normandie, die wir von vor 13/14 Jahren noch in Erinnerung haben, nicht mehr gibt ...
Samstag, 10. Oktober 2015
Honfleur
Unser nächster Halt ist das Städtchen Honfleur. Von ihr steht geschrieben, sie sei eine der schönsten Ortschaften der Normandie, Angucken lohne sich.
Dass da was dran sein muss, beweist bereits der Wohnmobilstellplatz: 240 Fahrzeuge haben hier Platz ... und er ist voll! Eigentlich ist das ja gar nicht unser Ding, aber der Nachmittag neigt sich dem Ende entgegen und zum Weiterfahren fehlt uns auch die rechte Lust. Also bleiben wir. Wir ergattern einen der letzten freien Plätze und laufen los, uns Honfleur anzusehen.
"Ach du lieber Himmel! Was ist denn hier los?"
Es stimmt, das Städtchen besteht aus wunderschönen historischen Häusern, wie sie typisch sind für die Normandie. Leider beherbergen sie ALLE entweder "Fresstempel" oder Pubs, Kunstgalerien oder aber unzählige Nippesläden, die den gleichen Ramsch feilbieten, wie jede andere Touristadt dieser Welt auch. Das ist schade, und lässt sich für unseren Geschmack kaum durch die hübschen Fassaden wettmachen ... Hier ein paar der schönen Eindrücke:
Freitag, 9. Oktober 2015
Überleben gesichert ... und beklaut!
Am nächsten Morgen ist das Watt im Hochwasser verschwunden, dafür herrscht aber betriebsame Emsigkeit auf der Strandpromenade: die Fischer sind zurück und haben ihren Fang entladen, den sie sogleich vor Ort verkaufen. Mmmmmh, lecker! Kabeljau, Scholle, Krebse, Hummer, Schnecken, Miesmuscheln ... Ach, ist das herrlich hier!
Mit zwei Kilo Miesmuscheln gehen wir nach Hause. Das einzige, was uns nun noch zu unserem Glück fehlt ist ein französisches Baguette. Und da es dieses in unmittelbarer Nähe nicht gibt, laden wir erstmals unseren neu erstandenen Roller ab.
Doch was ist das? Das Topcase ist aufgehebelt und Willis Helm ist weg! Wie dreist ist das denn?
Willis erster Impuls ist: "Wurscht, dann fahre ich ohne Helm", doch wir erinnern uns daran, dass wir hier NICHT in Sizlien sind und davon auszugehen ist, dass die Franzosen diesbezüglich nicht so großzügig sein werden. Also quetscht sich der arme Willi meinen Mädchenhelm über die Ohren und macht sich auf den Weg ins 13 Kilometer entfernte DIEPPE, in der Hoffnung, dort nicht nur ein Baguette, sondern auch einen Helm erweben zu können ...
Er kommt zurück ohne neuen Helm, aber mit Weißbrot und frischer Petersilie.
"Essen und Trinken können wir ja zum Glück (noch) ohne Sturzhelm ", merke ich an.
Das Wetter ist toll, wir können im Freien kochen und genießen. Das war super lecker! TAG GERETTET!
Donnerstag, 8. Oktober 2015
St-Aubin sur Mer
Heute erreichen wir die NORMANDIE.
Die Städtchen LE TRÉPORT und DIEPPE testen wir zwar an, lassen sie jedoch links liegen - es ist uns hier zu eng und zu voll. Vor allem der Stellplatz von DIEPPE - ein hinter hohem Zaun abgeschottetes Areal, das einen etwas Knast ähnlichen Eindruck erweckt - lädt uns nicht ein, dort zu bleiben zu wollen.
Ab DIEPPE verlassen wir die Route Nationale und klappern die kleineren Straßen in unmittelbarer Küstennähe ab. Wir brauchen nicht weit zu fahren und landen in ST-AUBIN SUR MER. Hier finden wir, was wir suchen! Ein toller Parkplatz in unmittelbarer Strandnähe, abseits einer keinen Siedlung, als einzige Nachbarn ein paar an Land stehende Fischerboote und ein paar grasende Rindviecher auf den immer noch saftig grünen Weiden ...
Wir springen in die Wanderschuhe und laufen los. Es ist gerade Ebbe, und so gehört das breite und kilometerlange Watt uns. Vor den Steilküsten dieser Gegend entscheiden wir uns für "nach links" der Sonne entgegen, die heute - wie vorher gesagt - wieder von nahezu wolkenlosem Himmel strahlt. Toll.
Nach drei Kilometern machen wir kehrt, der Rückweg ist zwangsläufig genauso weit und wir wollen ungern von der Flut überrascht werden.
Zurück am OCEVI genießen wir die herrliche Sonne bis zum Untergang und sind glücklich. Genau das wollten wir!
Mittwoch, 7. Oktober 2015
Flandern und die Picardie
Unser erster Weg führte uns in die Stadt DUNKERQUE, denn wir brauchen Internet. Beim ersten Anlauf werden wir in einer Shopping Mall fündig: bei ORANGE versteht eine freundliche Verkäuferin sofort was wir wollen, stattet uns mit einer SIM aus und macht für uns alle nötigen Buchungen und Freischaltungen. Innerhalb von 5 Minuten ist alles erledigt ... und funktioniert auf Anhieb. Das war in Italien bisher noch nie so einfach, allerdings sind die französischen Gebühren auch um einiges teurer als die italienischen, vielleicht liegt's ja daran. ;-)
Wir fahren weiter und kommen an CALAIS vorbei. Das Wetter hat inzwischen etwas aufgeklart und wir erkennen am Horizont die Kreidefelsen von Dover.
Auf der Küstenstraße geht es weiter nach Südwesten, England auf Steuerbord stets im Blick. Am CAP GRIS-NEZ machen wir eine Pause und unternehmen einen Spaziergang, denn inzwischen lacht die Sonne. Auf dem Kap steht ein Leuchtturm und eine große Radarstation. Sie überwacht den gesamten Schiffsverkehr, der den Ärmelkanal passiert. Und tatsächlich tummeln sich einige große Pötte zwischen hier und England.
Ab dem CAP GRIS-NEZ verläuft unsere Route südwärts, die Küstenlinie ist gesäumt von vielen Ortschaften. Dem entsprechend tun wir uns etwas schwer, einen schönen Stellplatz für die Nacht zu finden. Denn dieser Landstrich ist noch lange nicht so schroff, rau und urtümlich, wie wir die NORMANDIE in Erinnerung haben.
Wir finden in ÉQUHEN-PLAGE einen Wohnmobil Stellplatz. Nicht ganz, was wir uns vorgestellt haben, denn wir stehen hoch über dem Strand auf einem Plateau, aber er ist zweckmäßig für die Nacht. Großartige Freiluftaktivitäten fallen sowieso sprichwörtlich ins Wasser, denn es regnet wieder. Als es dunkel wird, kommt noch böiger Wind dazu, und wir werden im OCEVI ganz gut durchgerüttelt. Am nächsten Morgen sind wir jedenfalls beide froh, dass wir diese Nacht nicht vor Anker verbracht haben!
Es regnet leider immer noch, doch die Prognose verspricht für die kommenden Tage Besserung. Also lassen wir auch heute den OCEVI rollen - wir wollen ja in die NORMANDIE. Doch zuvor kommen wir noch in die PICARDIE. Landschaftlich unterscheidet sie sich nicht viel von FLANDERN. Auffällig ist jedoch auch hier, dass der Gilde der Camper viele Zufahrten zu den Stränden durch Höhenbegrenzungen verwehrt werden. Selbst die Zufahrten zu den offiziellen Stellplätzen sind oft auf 3,5 Tonnen limitiert - woran sich aber offensichtlich niemand hält, denn wir sind bei weitem nicht das einzige Dickschiff.
Die Nacht verbringen wir in LE CROTOY, einem kleinen Fischerdorf an der Mündung des Canal de la Somme. Wir haben uns sagen lassen, dass der Ort sehr schön sei. Bei einem Erkundungsgang finden wir jedoch 90 % aller Fenster und Türen verriegelt und verrammelt vor - offenbar ist die Saison hier bereits vorbei. Einzig die kleine Kirche vor Ort gewährt und freundlich Einlass.
Dienstag, 6. Oktober 2015
Reise durch vier Länder
In der ersten Nacht unserer Reise schlägt das Wetter um, es fängt an zu regnen. Wir nehmen es gelassen und betrachten es als Reisetage. Nach einer weiteren Übernachtung in Klüsserath an der Mosel machen wir uns auf den Weg.
Wir kommen durch Luxembourg, wo wir die Möglichkeit nutzen, günstig zu tanken - bei unserem 170 Liter-Tank ist das durchaus lohnenswert. Weiter geht's durch Belgien bis schließlich nach Frankreich. Wir kommen der Sache also näher ...
Bis wir die Küste erreichen ist es allerdings bereits dämmrig. In der kleinen Stadt Bougues unweit vor Dunkerque finden wir einen schönen Übernachtungsplatz. Und trotz des Wetters und der fortgeschrittenen Uhrzeit vertreten wir uns noch die Beine. Bougues ist klein und fast verschlafen, dennoch lohnt sich ein Rundgang entlang der historischen Stadmauer, durch den kleinen Stadtkern und die Schlossgärten.
Und ab morgen ändern wir die Fahrtrichtung: es geht nach Südwest und Süd ...
Samstag, 3. Oktober 2015
... dann sind wir mal weg!
Der OCEVI ist durchgecheckt und gepackt, das Zuhause winterfest, die Reiseführer griffbereit und wir sind startklar.
Wir wollen dem tristen Winter den Rücken kehren. Und wir haben uns viel vorgenommen: zunächst geht es nach Frankreich, dort in die Normandie und Bretagne entlang der Küstenlinie des Ärmelkanals und schließlich des Atlantiks immer nach Süden bis nach Spanien. Durch Galizien möchten wir weiter nach Portugal, von dem wir ein bißchen hoffen, dass es ein Highlight wird. Ob wir vom südöstlichsten Zipfel Europas dann einen "Ausflug" nach Marokko machen, haben wir noch nicht sicher entschieden. Unser Heimweg führt aber definitiv durch Spanien, hier möchten wir noch die einen und anderen Freunde besuchen ...
Wir fahren also los - und landen zunächst sehr unspektakulär an der Mosel in Enkirch! Na, wirklich weit gekommen sind wir also noch nicht, aber bekanntlich ist ja der Weg das Ziel. In Enkirch feiert man gerade das Weinlesefest mit großem Zelt und einer stimmungsmachenden 10-Mann-Band, genau der richtige "Einstieg". Allerdings sind wir nicht allein: in Enkirch stehen gefühlte 500 andere Camper ...
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