Dienstag, 5. November 2019

Santa Maria di Bagno

Unsere Entsorgungs-Sightseeing-Tour hat uns südlich von Lecce geführt. Nun ist es bis an die Westküste genauso weit wie zurück an die Ostküste des Stiefelabsatzes von Italien. Da wir uns im Westen öfter Sandstrände versprechen, schlagen wir diese Richtung ein. 

Der Tag ist irgendwie rasch fortgeschritten. Wir landen kurz vor dem Sonnenuntergang in einem kleinen Badeort mit dem wohlklingenden Namen Santa Maria di Bagno. Es gibt einen großen Parkplatz direkt neben der Ruine einer früheren Festung, auf dem wir übernachten können. Der Ort wirkt sehr nobel, aber ist heute beinahe ausgestorben. Dass ein strammer Südwind auf die Küste steht trägt zusätzlich dazu bei, dass kaum jemand unterwegs ist. 

Von dem Festungsturm stehen heute nur noch die vier Eckpfeiler, was ihnen den Namen „Quatro Colonne” eingebracht hat. Ursprünglich diente der Turm zur Verteidigung gegen Piraten, die Santa Maria wegen seiner Süßwasserquellen heimsuchten. 





Den Namenszusatz „di Bagno“ hat Santa Maria wohl erst später bekommen. Die Küste ist felsig, nicht unbedingt eine gute Gegebenheit für einen Badeort. Aber man hat clever und wie wir finden sehr schön eine Lösung dafür gefunden: in das Felsplateau sind künstlich Becken geschlagen worden, die von der Brandung des Meeres mit Wasser gefüllt werden. Untereinander sind mehrere Becken mit ebenfalls durch Menschenhand entstandene Kanäle verbunden. Dazwischen stehen Skulpturen verschiedener Meeresbewohner, leider sind sie am verwittern, aber trotzdem nett gemacht.














Irrwege

Gefühlt viel zu früh brechen wir am Torre Chiance unsere Zelte ab, denn wir müssen entsorgen. 

Und das ist leichter gesagt als getan. Drei V+E-Stellen, die wir nach unseren Infosystemen anfahren, entpuppen sich alle drei als Fehlanzeige: eine Tankstelle hat den dafür vorgesehenen Bereich mit Flatterbändern abgesperrt, ein waypoint verläuft sich in ein Naturschutzgebiet, das Schild mit Campersymbol steht noch, die Grube und der Wasserhahn sind aber mit dicken Vorhängeschlössern versehen, und der dritte Platz endet im nichts - hier ist bis auf ein totes Wasserrohr gar nicht mehr erkennbar, das da mal was war ...

Das Ende vom Lied: wir fahren stundenlang Zickzack und werden schließlich und endlich fündig bei einer Hymer Reparaturwerkstatt. Dort kommen wir mittags gerade noch rechtzeitig an, ehe man für den Rest des Tages schließen will. Italien ...!

Aber die Signora (ich) bekommt von dem freundlichen Herrn, der uns alles zeigt, noch ein Geschenk: einen Topflappen - wie nett. Auch Italien! 




Sonntag, 3. November 2019

Torre Chianca

Wir haben ein Traumplätzchen gefunden! Im Windschatten des Torre Chianca lassen wir uns nieder, das Meer direkt zu unseren Füßen, rundum nichts als Natur und Abgeschiedenheit. Und es liegt vergleichsweise wenig Unrat in der Landschaft. Wie schön!

Leider ist das Wetter nicht ganz so toll, es bläst und gelegentlich regnet es, aber das können wir nicht ändern. Benny hat trotzdem seinen Riesenspass, am kilometerlangen Sandstrand zu rennen und zu toben - ihm ist es egal, ob er nass ist, weil er durchs Meer springt, oder das Nass von oben kommt.

„Hier ist es schön, hier bleiben wir!“
















Wir kommen übrigens dahinter, warum es hier so relativ sauber ist: am Sonntag sehen wir mehrere Italiener, die rund um den Turm Abfall einsammeln! Toll!

Auch entlang des kilometerlangen Strands hat bereits jemand Vorarbeit geleistet. Die Sachen in Häufchen am Strand liegenlassen, ist sicherlich nicht nachhaltig, aber es ist ein Anfang. 



Wir ziehen mit 120 Liter Säcken los und schaffen obiges Zeug zum OCEVI. Wenn wir fahren nehmen wir es mit zu einem der Container, die wir auf der Herfahrt gesehen haben. Offenbar ist die Müllabfuhr von Region zu Region anders geregelt. 

Und natürlich braucht man sich nur zu bücken und findet immer noch genug, was das Meer täglich anspült.





Samstag, 2. November 2019

Dreck lass nach ...!

Ab Bari haben wir nur gut 100 Kilometer die Adriaküste Apuliens Richtung Süden abgeklappert. 

Freistehplätze zum Übernachten am Meer sind gut zu finden, und überwiegend sind wir alleine, es sind kaum andere Wohnmobile unterwegs. 

Was uns jedoch überall äußerst negativ ins Auge sticht: Dreck, Unrat und Müll wohin man auch guckt! Die Strände, ganze Küstenstriche, aber auch Straßengräben sind flächendeckend eingedreckt mit Plastik und Feuchttüchern, die wohl nach dem Schäferstündchen achtlos aus dem Autofenster geworfen werden. Unglaublich! 

Und umso unverständlicher, wenn man sich vor Augen führt, dass die Italiener sonst immer so auf Schönheit bedacht sind. Gerade erst bei unserem Besuch in Ostuni haben wir wieder gesehen, wie sie sich (ganz besonders an Feiertagen und Wochenenden) rausputzen für „Bella figura“ (sehen und gesehen werden), ihnen aber gleichzeitig alles aus der Hand fällt, wo sie gehen und stehen, und das zu 98 % aus Plastik.

Sehen sie denn nicht selbst, was sie da mit ihrem schönen Land tun ...? Zu „über“sehen ist es jedenfalls (schon lange) nicht mehr. 

Ob es der neuen Müllpolitik geschuldet ist? Die großen öffentlichen Sammelcontainer sind verschwunden, die Haushalte müssen nun eigene Behälter vorhalten, die sie bezahlen müssen. Willi meint aber zu Recht: 

„Das war auch damals schon nicht anders und sie haben das Zeug trotzdem neben die Container geschmissen, wenn denn einer da war.“

Wie auch immer, wir verstehen es nicht. Jammerschade ist es auf alle Fälle, und angesichts der schier unbeschreiblichen Menge, habe ich dieser Tage noch nicht einmal Lust, zu sammeln. Mal ganz abgesehen davon, dass ich dann gar nicht wüsste, wohin damit ...




Freitag, 1. November 2019

La città bianca: Ostuni

Gute acht Kilometer abseits der Küste liegt die Stadt Ostuni, wegen ihrer weiß getünchten Fassaden im Volksmund auch die „weiße Stadt“ genannt.

Am Fuße der Stadtmauer können wir parken und laufen los. Die mittelalterliche Stadt ist erbaut auf drei Hügeln, während die Stadtbewährung auf 200 Metern Höhe liegt, befindet sich das Zentrum der Altstadt auf 230 Metern ünN, die Aussicht auf die umliegenden Olivenplantagen bis hinab ans Meer hat was. 

Wir schlendern durch die engen, verwinkelten Gassen über unzählige Stufen hinauf und hinab. Im Zentrum begrüßen uns touristischer Rummel und die dazugehörigen Krimkrams Läden, doch das Stadtbild selbst ist sehr hübsch und gepflegt. Die Einwohner der Stadt sind per Gesetz verpflichtet, ihre Häuser in regelmäßigen Abständen zu kalken, damit das einheitlich weiße Bild erhalten bleibt.


































Doppelte Zeitumstellung

Bereits in Griechenland wurden die Uhren auf die Winterzeit zurückgestellt, als wir nun in Italien ankommen, drehen wir innerhalb von nur zwei Tage. nochmals eine Stunde zurück. Das bringt unseren Rhythmus gehörig durcheinander. Und auch den von Benny, der jetzt ab sechs Uhr morgens wie ein Flummi durch den Camper hüpft: 

„Huhu! Hallo! Hier bin ich! Wo bleibt Ihr denn? Ich bin waaaa-ach!“




Und was wir ganz besonders doof finden: ab 17 Uhr ist es jetzt finster ...


Mittwoch, 30. Oktober 2019

Αντίο ελλάδα.

Nach einem gemütlichen Frühstück, einem letzten Einkaufen, dem Besuch der Kläranlage und zwei Stunden Wartezeit vor den Toren von Patras vergeht der Tag doch irgendwie schnell. 

Drei Stunden vor Abfahrt finden wir uns im Hafen ein, klarieren unsere Tickets und werden dann vom Zoll sehr gewissenhaft von innen und außen durchsucht. Man guckt, ob wir Flüchtlinge an Bord haben und ist dabei wirklich äußerst gründlich, insbesondere weil wir einen nicht überall einsehbaren Zwischenboden haben, aber auch in alle Schränke und sogar den Kühlschrank möchte man einen Blick werfen ... wer weiß, was die bereits alles erlebt haben. Bereitwillig öffnen wir alle „Löcher“, die sich öffnen lassen und dürfen schließlich passieren.

Unser Schiff ist schon da, der Andrang davor hält sich  in Grenzen, pünktlich auf die Minute dürfen wir über die Rampe rollen, und heute stehen wir direkt vor den Schiffsluken, das ist sehr viel schöner als auf der Herfahrt. 

„Adio Hellas!
Es war wider Erwarten sehr schön hier! 
Wir kommen wieder!“ 


... und pünktlich zu unserer Abreise verdunkelt sich das Wetter, es fängt an zu blitzen und donnern.















Dienstag, 29. Oktober 2019

„Ionion Blue“ bei Manolada

Wir fahren weiter. Gut 50 Kilometer vor Patras finden wir in „Park4Night“ einen Stellplatz, der V+E anbietet - warum also nicht ansehen, bevor wir uns dem Getümmel in Patras aussetzen.

Wir finden eine Privatgelände vor, auf welchem WoMo‘s kostenlos (!!!) stehen dürfen. Natürlich sieht es der Besitzer gerne, wenn man in seine Taverne einkehrt  - nirgends wird jedoch darauf hingewiesen oder man in irgendeiner Form genötigt. Im Gegenteil, die anwesenden Wohnmobilisten loben von sich aus die Küche in höchsten Tönen, und nach erfolgreichem Test, können wir uns bedingungslos anschließen. 

Man hat vom Stellplatz zwar keinen Meerblick, aber die vorhandene Waschmaschine - gut versteckt zwischen freilaufenden Hühnern und in der Sonne dösenden Katzen - ist für uns Grund genug zu bleiben. Alles ist etwas rustikal und rudimentär, aber okay. Nur die Entsorgung entpuppt sich als gut für Kassetten, aber ungeeignet für große Tanks.

Der nahe und feine Sandstrand lädt uns bei spiegelglattem Wasser noch einmal zum Baden ein ... und erneut bedauern wir ein bißchen, dass morgen unsere Fähre geht. 






















Sehr schön war‘s!

Wir haben die Tage in Kalo Nero zusammen mit Anne & Willi sehr genossen, das Wetter ein Traum, die Wassertemperatur noch bei 26 Grad, der Stellplatz am Strand eine Idyll unter Bäumen, einfach herrlich!





Doch es kommt der Tag des Abschieds: Anne & Willi nehmen heute Abend die Fähre Richtung Heimat, wir morgen, vorher machen wir noch einige Erledigungen, wo in Patras die Kläranlage und eine Waschmaschine ist, haben wir bereits ausbaldowert.

Fast tut es uns Leid, schon wegzufahren, und wir hatten ernsthaft mehrere Gedanken daran verschwendet, unseren Griechenlandaufenthalt zu verlängern. Einzig die Tatsache, dass „Camping-an-Bord“ nur bis zum 31.10. des Jahres angeboten wird, lässt uns an unseren Plänen  festhalten. 

Unser Trost jedoch: vor uns liegen noch schöne Wochen in Süditalien und Sizilien ... wir müssen noch nicht nach Hause!